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SVEN KROMER, PARTNER DER UNTERNEHMENSBERATUNG KURT SALMON.

02.02.2016
Effizient durch komplette Vernetzung – Sven Kromer

Mit der Digitalisierung verändern sich Prozesse und Systeme im Einzelhandel grundlegend. Traditionelle Supply Chains stehen vor einer radikalen Veränderung.

Vom Online-Shop über Katalog und Filialen bis hin zu Apps und Social Media – Konsumenten nutzen parallel diverse Kanäle. „Viele Unternehmen befinden sich im Umbruch und stellen ihre Geschäftsmodelle komplett auf den Prüfstand“, sagt Sven Kromer, Partner der Unternehmensberatung Kurt Salmon.

Um die Absatzkanäle zielgruppengerecht bedienen zu können, kommt einer nahtlosen Vernetzung der verschiedenen Kanäle eine Schlüsselrolle zu. Sie bietet letztlich auch die Chance für den stationären Handel, sich gegenüber reinen E-Commerce-Anbietern wie Amazon zu positionieren.

Omni-Shopper geben deutlich mehr aus als Käufer, die nur in einem Kanal aktiv sind. „Vernetzung kommt beim Kunden an und sie zahlt sich für den Handel aus“, so Kromer. Doch es werden damit auch ganz neue Anforderungen an die Supply Chain-Systeme gestellt – vom Einkauf über die Logistik bis hin zum Vertrieb und Marketing.

In Zukunft spielen integrierte IT-Lösungen eine Rolle, die zum großen Teil bisher noch in Testphasen stecken oder als Stand-Alone-Tools arbeiten. So werden Web-Analytics für Trendresearch und Wettbewerbsanalysen zu Sortimenten, Preislagen und Bestsellern anderer Anbieter als Teil der Planung immer wichtiger. Über Social Media und Blogs lassen sich zudem die Meinungen von Kunden viel schneller und kostengünstiger einbeziehen als bisher.

Big Data darf sich nicht einfach nur auf das Sammeln von Daten beschränken, sondern muss schon in der Planung und Steuerung intelligente Entscheidungshilfen liefern. Wie sieht zum Beispiel die Nachfrageprognose für modische Artikel aus?

Mit multidimensionalen Analysen können Vorhaben für künftige Sortimente und Mengen abgeleitet werden. Was verkauft sich besser in Filialen oder im Web, welche Kunden kaufen dort in einem oder beiden der Kanäle? Eine Kundenidentifikation zunehmend über Smartphones ist dafür Voraussetzung.

Integrierte Bestände werden angesichts der zunehmenden Sortimentskomplexität immer wichtiger. Jeder Kanal kann grundsätzlich auf jeden Bestand zugreifen. Technische Grundvoraussetzung dafür ist ein einheitliches Enterprise-Ressource- Planning (ERP) System, das alle Bestände und Warenflüsse verwaltet.

Ein gemeinsames Stammdatenmanagement über die verschiedenen Kanäle besitzen die meisten Unternehmen. Allerdings müssen für den E-Commerce-Bereich die Artikeldaten mit Bildern und Content-Beschreibungen angereichert werden. Dafür sind Product Information Management-Systeme (PIM) erforderlich.

Zudem wird ein Ordermanagement-System benötigt, das Bestände logisch nach Kanälen verwalten und Fulfillment-Entscheidungen optimieren kann. Ein reines Lagermanagement-System (LMS) erkennt zunächst einmal nicht, ob der Bestand an einem Lagerplatz für einen Kanal reserviert ist oder nicht.

Verteilte Auftragsmanagement-Systeme (AM-Systeme) unterstützen die Ressourcenzuweisungen von Beständen zu Kanälen. Anbieter solcher Systeme sind zum Beispiel Manhattan, Sterling (IBM) oder ebay Enterprise.



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